Züritipp

2014, 2

Zwei Performer suchen mit vertauschten Rollen auf der Bühne nach Verantwortung.

Der weisse Vorhang hängt der ersten Reihe fast vorm Gesicht. Zwei Männer stellen sich davor. «Heute Abend soll es um Verantwortung gehen», sagt Max Merker, Schauspieler, aktuell in der Funktion des Regisseurs. Darum hätten er und Malte Schlösser ihre gewohnten Rollen verlassen müssen. Merker schickt also Schlösser – sonst Regisseur, hier Schauspieler – hinter den Vorhang. «Man erwartet ja, dass dahinter etwas ist. – Und? Was siehst du?» – «Nichts!» – Noch nichts. Was man später zu sehen bekommt, liegt nicht nur in der Verantwortung der beiden Performer, sondern auch in der Vorstellungskraft des Publikums.
Die beiden Männer – Schlösser ist bekannt für schräges, forderndes Diskurstheater, und Merker verpasst Klassikern eine schön assoziative Verjüngungskur – füllen die leere Bühne mit Worten, Orten und Pantomime. Sie ziehen Kostüme an und wieder aus, mal lassen sie eine Westernlandschaft entstehen, dann philosophieren sie über ein Bild von Ansel Adams als Sehnsuchtsort. In «Authentizitäsprothesen: Jetzt aber echt!» gehts aber auch ums Theater und – logisch – um Authentizität. Die ist für Schlösser und Merker eng verbunden mit dem Thema Verantwortung. Was die beiden Performer zeigen, ist eine Art Meta-­Diskurstheater über Echtheit und das Schauspielen, ­konstruierte Selbstbilder und Imagination. – Schlecht zu beschreiben, aber gut anzuschauen.

Link zur Onlineversion: http://www.zueritipp.ch/home/home/Diskurs-mit-Pantomime-/story/22289631/

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