/ FILMhier
/ THEATERABEND Premiere im TD-Berlin verschoben auf:     10 Feb 2022 — 20 Uhr, weitere Vorstellungen:
11 / 12 / 13 Juni 2022 — 20 Uhr


ES FÄLLT MIR IMMER SO SCHWER, ORTE ZU VERLASSEN, AN DENEN ICH NOCH NIE WAR
(trilogie #3)

 

 

Wer nicht klar kommt, lebt im Modus der Kulturkritik. Traurigsein ist der Begriff für die berechtigte Erschöpfung in einer neoliberalen Ordnung, in der wir gegen uns selbst und gegeneinander kämpfen müssen, indem wir permanent zeigen, wieviel wir kreativ aus unserem Leben machen. "Klarkommen" und "Liebe dich selbst" sind die Imperative, die wir mit unserem Leben füllen und vor uns hertragen und damit die ausschließende Ordnung weiter verfestigen. - Das Feiern von Beschädigungen und Nicht-klarkommen könnte die nötige paradoxe emanzipatorische Praxis gegen uns selbstoptimierte Leistungssubjekte und die verborgene Epidemie von Bindungs- und Liebestrauma sein. Die Wunde als gelebte kulturkritische Kommunikation. Aber wie lässt sich das leben? Wie lässt sich das Nicht-klarkommen können, ohne einfach nur Nicht-klarkommen zu sein, weil das wäre bloß Nicht-Klarkommen als Leid, ohne Können, ohne Hochstatus.


 

Theaterdiscounter-Ausschreibung:
 

"Liebe dich selbst" und "komm klar!" ist der Befehl, den wir versuchen mit unserem Leben zu füllen. Wer klarkommt, ist attraktiv – klar. Aber wieso feiern wir es nicht genau anders herum? Wer nicht klarkommt lebt doch die berechtigte Erschöpfung in einer Gesellschaft, in der wir gegen uns selbst und gegeneinander kämpfen – indem wir permanent zeigen, wie attraktiv und kreativ wir klarkommen.

 

Der neue Theaterabend von Malte Schlösser & Team fragt, wie geht Nicht-Klarkommen als Verweigerung? Wie lässt es sich üben? Welche Selfies müssten wir produzieren, um unsere Beschädigungen, Traumata und Krisen zu zeigen und zu feiern? Wie können wir dem Nicht-Klarkommen als Verweigerung Hochstatus verleihen?  Die Comiczeichnerin Liv Strömquist sagt: “Indem wir fühlen“. Aber dafür fehlt uns die Praxis.

 

Wie kann eine neue demokratische Bewegung erwachsen, wenn bisherige Machtstrukturen hinterfragt werden? Die Wunde zeigen, emotionale Herrschaft markieren und mit konsequenter Selbstermächtigung Macht und Wirkung von Privilegien und Ausgrenzungen benennen – das wäre eine mögliche Quelle von Verbundenheit. Das wäre Selbstdekonstruktion als Selbsthingabe. Und das muss man ja auch erstmal können.

 

Die Traumata verlassen können, indem wir hingehen und uns ihnen zuwenden. Daraus erwüchse ein ästhetischer Einbruch, ein Eingriff, ein Ort: Ein Theater, zu dem wir hingehen, um es endlich verlassen zu können.

 

“Wann wird das Sprechen über Gefühle ein politischer Akt? Wenn es Teil einer Praxis der Bewusstseinsbildung ist, durch die die unpersönlichen und intersubjektiven Strukturen sichtbar gemacht werden, welche in der Regel von der Ideologie vernebelt sind.“ Mark Fisher

 

Mit Patricia Carolin Mai / Franziska Marie Gramss / Manuel Garelli / Isabelle Laura Pana / Polly Schwalm-Unbehaun / Clementine Wippermann-Cohen


Regie & Text Malte Schlösser
Raum, Licht, Kostüme Thomas Giger 
Musik Christoph Mäcki Hamann
Video Roman Hagenbrock

Dramaturgie Anna K. Becker

Theaterpädagogik Lena Döbel
Regieassistenz Lena Noske

Bühnenbildassistenz, Kostümmitarbeit Kallia Kefala
Produktionsleitung Eva-Karen Tittmann
Technische Produktion Chris Wohlrab

©Fotos Katja Feldmeier oder Milena Schlösser oder Team.


Koproduktion TD-Berlin
Gefördert durch die Senatsverwaltung für Kultur und Europa und Hauptstadtkulturfonds Berlin

Literaturhinweise:

-Liv Strömquist: "Ich fühls nicht", siehe Interview dazu auch hier

-Heller/Doerne: "Befreiung von Schuld und Scham"

-Eva Illouz: "Warum Liebe weh tut"
 

Weitere Infos hier